Und gestern war es dann für mich soweit. Der Oktopus wartete, so schien es, nur auf mich. Das Restaurant dagegen nicht. Das war nämlich voll, quasi übervoll, mit einer Hundertschaft begeisterterer kulinarisch hochgebildeter Gaumenfreuden Freunden.
Während wir also die ersten 15 Minuten damit verbrachten, in der Kälte auf einen Tisch für fünf im Innern des warmen Gourmettempel (obwohl es die Begrifflichkeit Speiseschuppen ebenso treffen würde) zu warten, wurde mir erklärt, dass dieses Etablissement ebenso eine wundervolle Lokalität ist, zum liquiden Verzehr von Soju.
Nachdem wir also endlich einen Platz hatten, wurde sofort die obenerwähnte Speise bestellt. Der Chef höchstpersönlich hat den Oktopus für uns gefangen und übergab ihm der Küchenchefin, die den Oktopus für uns in mundgerechte Stücke schnitt, es sich aber nicht nehmen ließ, uns den Oktopus noch mehrmals zu zeigen und dazu eindeutige Gesichtsausdrücke zu formen.
Und dann wurde er serviert: auf einem porzellanenen Tablett wurde er erneut vom Herrn des Hauses gebracht und auf unserem Tisch kredenzt.
Da wir zwei Ausländer waren, war uns die Aufmerksamkeit der koreanischen Gäste sicher, die allzu neugierig, aber mit koreanischer Bescheidenheit, zu uns rüber schielten.
Zusammenfassend lässt sich resümieren, dass der Geschmack weitaus besser ist, als die tote und gebratene Variante. Insofern, als das die lebende Version nach gar nichts schmeckt. Somit ist das Highlight dieses Genuss erst dann zu verstehen, wenn man den lebenden Oktopus, wirklich selber mal verköstigt hat. Wenn man das Gefühl zu verspüren vermochte, wie sich die Tentakel an der Zuge oder an der Wangeninnenseite festsaugen. Wenn sich der Muskel ausdehnt und wieder zusammenzieht….
In diesem Sinne: Bon Appetit