Jede Stadt die etwas auf sich hält, besitzt einen Zoo. Ein Zoo ist der Versuch des sukzessiven Agglomerierens von frappanter Fauna unter Berücksichtigung effektiven Fanatisierens des infantilen Stimulus.
Ein Zoo verändert nicht nur den Besucher, sondern auch das Getier, das in dieser Institution lebt. Der Tiger heißt im Zoo dann nicht mehr Tiger, sondern Miezekatze. Der Delphin kurz Flipper und der kräftige, furchteinflößende Grizzlybär wird mit der Begrifflichkeit Teddybär förmlich entmannt.
Und auch sonst wird im Zoo ein ganz anderes Vokabular an den Tag gelegt. Auf einmal gibt es Adjektive wie „puffy“, „plüschig“, „putzig“, „fluffig“ mit der jedes Lebewesen zu charakterisieren versucht wird.
Kurzum: auch Seoul wartet mit einem Zoo auf. Im Seoul Grand Park kann er besucht, bewundert und wieder verlassen werden. Und natürlich findet sich in diesem Zoo jedes Tier, das von einem guten Zoo erwartet werden kann: Giraffen, Elefanten, Kühe, Kamele, Tiger, Affen und noch viele weitere Tiere mehr!
Und dann natürlich die Delphinshow. Wir waren begeistert. Natürlich sind Delphine intelligente Säugetiere, aber diese Darbietung hat uns förmlich vom Hocker gerissen. Sprünge, Drehungen, feinste animalische Akrobatik. Im Neudeutschen spricht man vom ganz großen Kino!
Beenden möchte und muss ich diesen Post mit nachdenklichen und tiefgründigen Worten, die allerdings nicht die meinen sind, sondern aus der Feder von R.M. Rilke stammen. Denn wir dürfen neben den ganzen Spaß und Niedlichkeit die wir in einem Zoo er- und verleben dürfen, nicht vergessen, welche Bedeutung dem Zoo eigentlich zukommt:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
- Rainer Maria Rilke aus der Panther , 06.11.1902, Paris