Dienstag, 16. September 2008

Oh what a circus...

Jede Stadt die etwas auf sich hält, besitzt einen Zoo. Ein Zoo ist der Versuch des sukzessiven Agglomerierens von frappanter Fauna unter Berücksichtigung effektiven Fanatisierens des infantilen Stimulus.

Ein Zoo verändert nicht nur den Besucher, sondern auch das Getier, das in dieser Institution lebt. Der Tiger heißt im Zoo dann nicht mehr Tiger, sondern Miezekatze. Der Delphin kurz Flipper und der kräftige, furchteinflößende Grizzlybär wird mit der Begrifflichkeit Teddybär förmlich entmannt.

Und auch sonst wird im Zoo ein ganz anderes Vokabular an den Tag gelegt. Auf einmal gibt es Adjektive wie „puffy“, „plüschig“, „putzig“, „fluffig“ mit der jedes Lebewesen zu charakterisieren versucht wird.

Kurzum: auch Seoul wartet mit einem Zoo auf. Im Seoul Grand Park kann er besucht, bewundert und wieder verlassen werden. Und natürlich findet sich in diesem Zoo jedes Tier, das von einem guten Zoo erwartet werden kann: Giraffen, Elefanten, Kühe, Kamele, Tiger, Affen und noch viele weitere Tiere mehr!

Und dann natürlich die Delphinshow. Wir waren begeistert. Natürlich sind Delphine intelligente Säugetiere, aber diese Darbietung hat uns förmlich vom Hocker gerissen. Sprünge, Drehungen, feinste animalische Akrobatik. Im Neudeutschen spricht man vom ganz großen Kino!

Beenden möchte und muss ich diesen Post mit nachdenklichen und tiefgründigen Worten, die allerdings nicht die meinen sind, sondern aus der Feder von R.M. Rilke stammen. Denn wir dürfen neben den ganzen Spaß und Niedlichkeit die wir in einem Zoo er- und verleben dürfen, nicht vergessen, welche Bedeutung dem Zoo eigentlich zukommt:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

- Rainer Maria Rilke aus der Panther , 06.11.1902, Paris

Montag, 15. September 2008

Über den Wolken...

Es gibt zwei Möglichkeiten sich ein Bild von der Megacity Seoul zu machen. Entweder versucht man auf die Berge, die Seoul einschließen, zu klettern. Diese anstrengende, aber sehr gesunde Variante, lässt aber nur einen Blick vom Rand der Stadt zu. Oder aber man besteigt den Seoul Tower (서울타워). Dieser riesige Sendemast, der auf dem Namsan residiert und einen ungehinderten Blick aus dem Herzen der Megacity, auf diese selbst erlaubt.

Dieser Sendemast sollte das Ziel unserer heutigen Expedition sein. Nachdem wir die U-Bahn verlassen und den Fuß des Namsan erreicht hatten, galt es, sich für eines der zwei Szenarien zu entscheiden: Sollten wir uns in die infinit erscheinende Menschenschlange einreihen, mit der Aussicht auf einen Ascenseur, der uns beschwingt auf den Gipfel expedieren würde? Oder sollten wir den Treppen gekennzeichneten Weg durch den Wald optieren? Vögel Gezwitscher, der frische Duft von grünen Bäumen und die Gewissheit seinen Körper mit jeder Treppenstufe zu stählern…

Nach etwa 1 Sekunde war der Entschluss gefallen: Einreihen.

Für 6000 Won flog man auf den Berg. Für 7500 Won auch wieder zurück. Unserer Fitness wegen haben wir uns aber dazu entschieden, dann wenigstens für den Rückweg, die Treppen zu verwenden.

Als wir die Gondel bereits einschweben sahen, begann das Einstiegszeremoniell: eine freundliche Frau machte durch eindeutig mehrdeutige Handbewegungen darauf aufmerksam, dass die nächste Gondel, unsere Gondel sein würde, und übergab uns an einen weiteren freundlich erscheinenden Mann. Wir hatten daraufhin eine Treppen hinaufzusteigen und rechts in einen Kasten zu laufen. Am Ende dieses Kastens war eine hundertachtzig Grad Drehung in Kombination mit einem Schritt nach links zu vollführen. Auf diese kunstvolle Akrobatik, die umso graziler aussah, je älter die Person war, folgte der scheinbare Rückweg. Aber am Eingang des Kastens, war dann anzuhalten. Erst mit dem Einfahren der Gondel wurde mir klar, dass dieser mysteriöse Kasten in Wirklichkeit ein Konterfei der Gondel darstellte. Kurz: Alle die in diesen Kasten reinpassten durften mit. Das Tolle an diesem System: jeder schien einen Platz zugewiesen bekommen zu haben, der es in der Minute des Einsteigens in der Gondel wieder einzunehmen galt. D.h. man sollte sich den Nachbarn einprägen.

Nachdem sich die Gondeltür öffnete und die von oben kommenden Menschen ausgestiegen waren, zerbrach diese geleistete Vorarbeit. Wie beim Massenstart eines Marathons, stürmten alle in diese kleine Gondel rein. Jeder Platz wurde ausgenutzt, die maximale Traglast sicherlich mit zehn Menschen überschritten, aber die Tür ging noch zu. Und so machten wir uns, leicht durchhängend, auf zur Spitze des Namsan und zum Fuße des Sendeturms.

Oben angekommen bot sich bereits ein wundervoller Ausblick auf die Stadt. Doch wir wollten höher, wir wollten hoch auf den Sender. Für 7000 Won erkauften wir uns eine Fahrstuhlfahrt, die mit der Gondelfahrt verglichen werden kann, obschon sie nicht so organisiert war und erlebten schließlich ein exorbitantes Panorama in rund 380 m Höhe.



Leider war es ein wenig zu diesig, so dass der Blick auf das „63 City“ (das höchste Gebäude in Seoul) nicht mehr klar erkannt werden konnte.

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen:

Seoul ist eine riesige einzigartige Megacity. Die mehr Seiten und versteckte Orte aufweist, als wie unser Leben Tage zählt...

Dienstag, 9. September 2008

Aus der Stadt, in den Dschungel

Nachdem mich am Sonntagmorgen nicht mein Wecker, sondern ein, an meiner Tür klopfender, Kalle geweckt hat, wurde auch mir ruckartig klar, dass ich verschlafen hatte. Sofort stand ich in meinem Bett und stolperte ins Badezimmer. Dort angekommen, fiel mir ein, dass der Kalle ja noch vor der Tür wartete. Ich wieder aus dem Bad raus und auf zur Tür. Mit schlechtem Gewissen, blickte ich in die Augen eines trotzdem gut gelaunten Kalle. Nach einem alles sagenden Blickkontakt schloss ich wieder die Tür, sprintete ins Bad, erledigte hier alle nötigen Dinge, sprang in meine Klamotten, packte meine Sachen und war tatsächlich fünf Minuten später fertig. Meine neue Zahnputztechnik ist einfach unschlagbar (weitere diesbezügliche Auskünfte nur auf Anfrage).

Am Schuhschrank versuchte ich dann meine Wanderschuhe zu binden und rannte oder fiel anschließend die Treppe runter und erreichte den Meetingpoint: Anytime!

Nach einer fast einstündigen Fahrt, haben wir unser Ziel erreicht: Baekundae. Obwohl wir recht früh dort waren (9:30 Uhr an einem Sonntag), waren wohl auch noch fünfhundertdreiundvierzig Koreaner von der Idee „Wanderung“ derart erbaut, dass sie sich zu uns in die Busschlange einreihten.

Aber dann ging es endlich los: „Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen“ (Bilbo Beutlin, Tolkien). Wie recht er damit hatte. Uns bot sich mal ein steiniger, mal ein gepflasterter Weg, aber ganz egal wie beschaffen unser Pfad auch war, er war stets umrahmt von einer pittoresken Landschaft.

Das Video soll, diesen uns dargebotenen Sinneneindruck wiederzugeben versuchen.

Neben den ganzen vielen schönen Eindrücken, gab es aber auch den ein oder anderen Schönheitsfehler:

Auch wenn der Weg auf den Berg nicht sonderlich schwer war, so sollte der Aufstieg zur Spitze doch nur mit einer gewissen Professionalität oder Erfahrung bestritten werden. Ich spreche allen Koreanern diese Eigenschaften zu, doch es wurden auch viele kleine Kinder mitgenommen. In Anbetracht der steilen Felsen, der tiefen Schluchten und dem Mangel an Geländern, konnte ich an manch einer Familie nur mit geschlossenen Augen vorbeigehen…

Mittwoch, 3. September 2008

DSDS war gestern!

Heute ist „Young Star All ZZang“! Das koreanische Mini-Pendant.

Geladen waren viele tausend Gäste, von denen zu Beginn nur 30 da gewesen zu sein schienen. Diese philanthropische Unterbesetzung konnte jedoch durch drei deutsche Gäste - Sibylle, Thorsten und meine Wenigkeit - kompensiert werden:

Da die Darbietungen teilweise in englischer Sprache präsentiert wurden, fiel es nicht schwer, mit zu trällern. Dies beeindruckte die Kamerawelt dermaßen, dass wir spontan und gleich viermal auf die Großbildleinwand projiziert wurden. Quasi für die ganze Welt und natürlich für das reservierte Publikum sichtbar.

Ob das jetzt gut war, oder schlecht, das bleibt abzuwarten. Denn während ein älterer Mann sich von unseren zurückhaltenden Moves grummelig distanzierte, erleuchteten wir die Augen einiger junger Koreanerinnen, als wir unsere Feuerzeuge (300 ) zu den Balladen hoben.

Aber in diesem Blogeintrag soll einfach nur das Video wirken und sich der Leser sein eigenes Bild von der koreanischen Singkultur bilden.

Wir wissen leider nicht, ob der junge, talentierte Sänger gewonnen hat, wünschen ihm aber für seine Zukunft alles erdenklich Gute.

P.S.: Der junge Herr im Video stand übrigens direkt vor uns…ich wollte mir ja ein Autogramm geben lassen, aber wir entschieden dann, dass es für den weiteren Verlauf des Abends sicherlich förderlich sei, auf ein Autogramm zu verzichten…