Dienstag, 26. August 2008

Wir haben doch keine Zeit

Die südkoreanische Hauptstadt besticht durch ihre Schnelllebigkeit. Nichts scheint stehen zu bleiben, höchstens mal die Zeit, sobald sich die Batterie im Kuckkucksuhr Plagiat dem Ende neigt. Jeder ist ein Schritt schneller als ich es bin und selbst der Partikülier, der eben noch so friedlich auf dem Vorsprung des Hauses residierte, überholt mich plötzlich rechts. ZOSCH!

Im Autoverkehr verhält es sich nicht anders. Es wird nicht gezögert auf die Hupe zu schmettern. Ich meine herausgefunden zu haben, dass die Länge des ertönenden Signals, mit der Dringlichkeit dieser audiovisuellen Artikulation skaliert. Ein kurzes, aber entschiedenes „Möp“ kann mit Weitsicht begegnet werden. Behutsam sollte der Weg zum Straßenrand führen, damit das akustisch wahrgenommene Vehikel seinen Weg fortsetzen kann.

Erschallt im Hintergrund allerdings ein langes, markerschütterndes „MmmmÖÖÖÖÖÖÖÖÖppppp“, dann sollte aufgemerkt werden. Dann befindet sich, wahrscheinlich drei Meter hinter einem, ein grüner 60 Stundenkilometer schneller Omnibus. Ist dieser Klang zu vernehmen, so sollte dringend auf das Denken verzichtet (man verliert beim Denken einfach zu viel Zeit) und ein Sprung zu irgendeiner Seite gewagt werden…

Weitere Indizien für diese Schnelllebigkeit, in der jede Sekunde wie eine Stunde ausgekostet zu werden scheint, finden sich in den Taxis. Jedes Taxi hat ein GPS System mit dem gesamten Straßennetz der Stadt Seoul. Sollte man sich für die kostengünstige (!) Alternative Taxi entscheiden, so fällt auf, dass durchaus nach wenigen Sekunden eine dreistellige Geschwindigkeit erreicht wird, denn das GPS Warnsystem macht unverzüglich auf wirklich jeden Blitzer in dieser Megacity aufmerksam.

Doch auf der Suche nach Indizien, die meine These: „Schnelllebigkeit“ bestätigen, fand ich schließlich den sogenannten „ultimativen“ Beweis:

Koreaner sehen größtenteils richtig sportlich, geradezu muskulös aus. So ausgeprägt, dass man sich fragt, wie sie diese Muskelmassen aufbauen konnten, wenn sie doch den ganzen Tag arbeiten und auch am Wochenende keine Zeit bleibt, ein Fitnesscenter aufzusuchen.

Die Antwort fand ich direkt an einer Hauptstraße: wenn der Koreaner nicht zur Mukibude kann, dann kommt die Mukibude eben zum Koreaner….

Ansonsten gibt es nur noch eins zu sagen: 시간이 없어요


Sonntag, 24. August 2008

Happy Birthday to you

Lieber Karl-Heinz, alias Kalle, alias Karlchen, alias Kille-Kalle-Kille-Kalle-Würstchenkäfer,

Ein weiteres Jahr ist zu Ende gegangen, ein weiteres Jahr das wir mit Dir verbringen durften und dafür danken wir Dir.

Heute hattest Du also Geburtstag und zwar einen ganz besonderen Geburtstag, denn dieses Mal hast Du ihn nicht in Deutschland gefeiert. Und weil Dein Geburtstag so besonders war, hatten wir eine ganz besondere Überraschung für Dich vorbereitet:

Ich hoffe du nimmst es uns nicht krumm, dass ich Dir vorgegaukelt habe, ich müsste etwas Wichtiges mit Dir am Vorabend Deines Geburtstages bereden und zwar bei einem Bier, nur wir beide.

Das war alles Teil, eines von uns kompliziert ausgeheckten und bis ins kleinste Detail inszenierten Planes. Alles war organisiert: die Bar, der Zeit- und der Treffpunkt.

Das Du mir dann am Nachmittag den Vorschlag unterbreitet hattest, wir könnten ja auch einen Kaffee trinken gehen und dort unser Gespräch führen, hat das Fundament unseres Plans nur kurzzeitig ins Wanken gebracht. Sofort wurden alle Strippen gezogen, das rote Telefon benutzt und eine vorzügliche Ausrede gefunden, warum ein Gespräch im Café, eine nicht ganz so gute Idee wäre. ..Puh!

Danach verlief alles nach Plan, ich habe Dich getroffen und die „Falle“ zuschnappen lassen. Du stauntest nicht schlecht, als auf einmal sieben Deutsche um Dich herumstanden. Aber noch ließen wir Dich im Dunkeln, denn das Treffen war vielmehr purer Zufall. Schön, dass Du uns Glauben schenktest.

Erinnerst Du Dich noch? Nachdem wir den ersten drei Liter Bierkrug zusammen geleert hatten, sind wird doch in dieses Restaurant gegangen, haben dort Köstliches verspeist und weitere zwei drei Liter Krüge getrunken. Und gerade deshalb, weil wir so viel getrunken haben, hast Du auch keinen Verdacht geschöpft, als Steffi auf einmal das Klo aufsuchen musste. Sie und Mark verschwanden und tauchten zehn Minuten später wieder auf und hatten plötzlich eine Tüte in der Hand. Was man alles so auf einer Toilette finden kann. Toll!

Und dann war es zwölf. Dein Geburtstag. Grund genug ein Lied anzustimmen. Auf Deutsch natürlich: „Happy birthyday to you…“ Die Koreaner haben nicht schlecht gestaunt. Ein schmetternder Chor, mit engelsgleichen Stimmen, frohlockte Dir ein Lied, mitten in Korea, mitten im Lokal.

Doch was wäre eine Geburtstagsfeier ohne Geburtstagstorte? Nichts! Doch auch an eine Torte war gedacht. Mit vielen Kerzen verziert, die Du alle auf einmal ausgepustet und somit einen Wunsch gewonnen hast. Ich gebe zu, dass das Torte Essen mit Stäbchen etwas befremdlich wirkte, doch geschmeckt hat es trotzdem. Und dann, in einer von Steffi umrahmten Rede: Bescherung.

Und dann war es Zeit aufzubrechen. Wir schritten vielleicht nicht mehr ganz so geraden Schrittes nach Hause, fanden aber alle zielstrebig unser Bett.

Ein wirklich ganz besonderer Abend. By the way so besonders sogar, dass wir vom Besitzer des Restaurants einen großen Teller mit frittiertem Oktopus geschenkt bekommen haben…Dies war so lecker, dass wir abgestimmt haben, wer morgen Geburtstag haben wird…

Dienstag, 19. August 2008

Der Himmel soll warten...

Weiß man wie weit es ist, bis man den Himmel berührt? Ich kann diese Antwort leider nicht geben, aber ganz bestimmt ist man dem Himmel auf dem Jongno-Turm, im Volksmund auch liebevoll Samsung Tower genannt, ein großes Stück näher.

Dieser 33 Stockwerke fassende Turm, der einem Leuchtturm gleich, in die Finsternis einer Seouler Nacht, seinen grünlichen Schein wirft, verkörpert gleichzeitig auch das neue Selbstverständnis der Hauptstadt: größer und moderner muss es sein. Die Natur wurde ausgetrickst und der Mensch hat es geschafft: Paläste in den Himmel gebaut. Mit einer ungewöhnlichen und äußerst neuzeitlichen Architektur, schaut der Besucher staunend auf den Tower hinauf, der mit seiner Haut aus vielen tausend Fensterscheiben, trotzdem keinen Blick in sein Innerstes zulässt.

Doch wenn man es wagt diesen Turm zu betreten, so fällt der erste Blick auf das Nachrichtenstudio, welches die erste rechte Ecke dieses Bollwerkes ziert.

Die Krone des Towers, und hier bedarf es keiner Sinnentfremdung der Vokabel, stellt ein Nobelrestaurant und eine Nobelbar da, die wir vielleicht nicht ganz so mondän betreten haben, um uns in dieser distinguierten Umgebung mit einen exklusiven Umtrunk gütlich zu tun.

Das Panorama, welches vom Tisch aus, durch die gläserne Wand visuell aufzufangen war, machte, und macht mich noch immer, sprachlos. Unter Vernachlässigung aller umweltpolitischen Probleme, ist es einfach erstaunlich, wie die menschliche Architektur begeistern kann.

Das lässt vergessen, dass ein Bier auch mal teurer als 10 Euro (15 000 Won) sein kann.

Aber bevor man seinen Blick an dieser Rundsicht laben kann, müssen die 33 Stockwerke erklommen werden. Dies kann sehr beschwerlich sein, wenn man die Treppe vorzieht. Doch bedient man sich des Fahrstuhls, so kann quasi wie im Flug, das Restaurant völlig entspannt erreicht werden und dann bleibt sogar genug Atem, um von dem Blick atemlos zu werden.

Im unten gezeigten Video soll illustriert werden, wie lange eine Reise mit dem Fahrstuhl dauern kann, bis man sein Ziel, den 33. Stock, erreicht hat.



Sicherlich ist dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangen, dass die, auf die drei, zu erwartende vier nicht auszumachen war, sondern eine fünf folgte.

Dieses Ausbleiben der Ziffer vier rührt vielmehr daher, dass es sich bei der vier (in Zahlen: 4) um eine Unglückszahl handelt, die für den Tod steht. Aus diesem Grund und zur Vermeidung juristischer Schritte, wurde die vier einfach ausgelassen…

Sonntag, 17. August 2008

Lost in Seoul

„You can also take this bus…! “ Auf einmal ging alles ganz schnell. Der Bus kam, hielt an und die Tür öffnete sich. Viele hundert Menschen fielen in die sich öffnende Tür ein…na gut es waren nur zwei…ich blickte kurz zurück und warf meiner Begleitung ein „Bye“ und „see you tommorow“ zu und schon schloss sich die Tür, während ich noch versuchte mit meiner T-Money Card (Busticket) den Scanner zum Piepen zu bringen. PIEP! Mit einem hämischen Lachen auf dem Gesicht des Busfahrers, legte er gekonnt den zweiten Gang ein und knatterte los, während ich an meinen Stehplatz stolperte.

Aus dem Fenster nickte ich Song-ah - in der vorbeifahrenden Welt - noch einmal zu und plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Irgendwie ein tolles Gefühl. Das erste Mal in einem fremden Land, in einer fremden Kultur, alleine Bus fahren. Ein majestätisches Gefühl, dass etwa 400 Meter anhielten.

Danach bog der Busfahrer, samt uns, in eine andere Straße ab und verließ den damit mir bekannt Weg. Immerhin schien die Großrichtung zu stimmen. Also blieb ich gelassen. 2 Minuten, 5 Minuten, 15 Minuten. Nichts, absolut nichts kam mir bekannt vor. Kein Geschäft, kein Restaurant, nicht mal die Busnummern waren mir vertraut. Also entscheid ich mich für das Beste, was man in dieser Situation hätte tun können: einfach mal abwarten.

Mit jeder Sekunde, so erschien es mir, wurden die Straßen breiter und der Tag dunkler. Und so überdachte ich meinen vorhin gefassten Plan und verließ den Bus.

Erneut öffnete und schloss sich die Bustür und erneut fuhr der Bus von dannen, doch diesmal ohne mich.

Ich blickte nach rechts, blickte nach links, doch nichts kam mir bekannt vor. Also fragte ich eine Frau an der Bushaltestelle: „Can you speak English?“

Stille!

Manchmal sagt ein Blick mehr als tausend Worte. Also fuhr ich in Englisch fort: „I want to go to Nok-Du, which bus I have to take?“

Immerhin kam Ihr das Wort Nok-Du (weil koreanisch) vertraut vor und so antwortete sie sofort mit einem aussagekräftigen Schulterzucken.

Als ich dann aber in meinem gebrochenen Koreanisch „사울 대학요“ einwarf, ging auf einmal alles ganz schnell: ein Bus kam, hielt an und die Tür öffnete sich. Die Frau drängte mich in diesen Bus einzusteigen, was ich bereitwillig tat. Die Tür schloss sich, ich blickte kurz zurück und die Frau warf mir eine Zwei mit den Fingern hinterher. Einem Déjà-vu gleich, legte der Busfahrer mit einem hämischen Grinsen gekonnt den zweiten Gang ein und knatterte los.

Es ging zwar irgendwie zurück, aber mich beschäftigte diese Zwei. Was wollte mir die Frau damit sagen und überhaupt: in welchem Bus befand ich mich überhaupt? Durch die Erfahrung an Weisheit gereift, entschied ich spontan an einer Bushaltestelle, die mir bekannt vorkam, aussteigen. Ich tat gut daran, denn es fand sich eine Subway Station, an der die U-Bahn 2 (!!) verkehrte, direkt neben der Haltestelle. Dies war meine Rettung!

So konnte ich an den Ausgangspunkt meiner Odyssee fahren, einen mir bekannten Bus nehmen und gelangte nach zwei Stunden an den Ort, den ich mein zu Hause nennen darf…