Die südkoreanische Hauptstadt besticht durch ihre Schnelllebigkeit. Nichts scheint stehen zu bleiben, höchstens mal die Zeit, sobald sich die Batterie im Kuckkucksuhr Plagiat dem Ende neigt. Jeder ist ein Schritt schneller als ich es bin und selbst der Partikülier, der eben noch so friedlich auf dem Vorsprung des Hauses residierte, überholt mich plötzlich rechts. ZOSCH!
Im Autoverkehr verhält es sich nicht anders. Es wird nicht gezögert auf die Hupe zu schmettern. Ich meine herausgefunden zu haben, dass die Länge des ertönenden Signals, mit der Dringlichkeit dieser audiovisuellen Artikulation skaliert. Ein kurzes, aber entschiedenes „Möp“ kann mit Weitsicht begegnet werden. Behutsam sollte der Weg zum Straßenrand führen, damit das akustisch wahrgenommene Vehikel seinen Weg fortsetzen kann.
Erschallt im Hintergrund allerdings ein langes, markerschütterndes „MmmmÖÖÖÖÖÖÖÖÖppppp“, dann sollte aufgemerkt werden. Dann befindet sich, wahrscheinlich drei Meter hinter einem, ein grüner 60 Stundenkilometer schneller Omnibus. Ist dieser Klang zu vernehmen, so sollte dringend auf das Denken verzichtet (man verliert beim Denken einfach zu viel Zeit) und ein Sprung zu irgendeiner Seite gewagt werden…
Weitere Indizien für diese Schnelllebigkeit, in der jede Sekunde wie eine Stunde ausgekostet zu werden scheint, finden sich in den Taxis. Jedes Taxi hat ein GPS System mit dem gesamten Straßennetz der Stadt Seoul. Sollte man sich für die kostengünstige (!) Alternative Taxi entscheiden, so fällt auf, dass durchaus nach wenigen Sekunden eine dreistellige Geschwindigkeit erreicht wird, denn das GPS Warnsystem macht unverzüglich auf wirklich jeden Blitzer in dieser Megacity aufmerksam.
Doch auf der Suche nach Indizien, die meine These: „Schnelllebigkeit“ bestätigen, fand ich schließlich den sogenannten „ultimativen“ Beweis:
Koreaner sehen größtenteils richtig sportlich, geradezu muskulös aus. So ausgeprägt, dass man sich fragt, wie sie diese Muskelmassen aufbauen konnten, wenn sie doch den ganzen Tag arbeiten und auch am Wochenende keine Zeit bleibt, ein Fitnesscenter aufzusuchen.
Die Antwort fand ich direkt an einer Hauptstraße: wenn der Koreaner nicht zur Mukibude kann, dann kommt die Mukibude eben zum Koreaner….
Ansonsten gibt es nur noch eins zu sagen: 시간이 없어요