Sonntag, 26. Oktober 2008

Nachtrag

Als wir im August nach Seoul gekommen sind, da vermochten wir ein wahres Feuerwerk von neuen unbekannten Sinneseindrücken zu verspüren. So viele, dass man sie nicht alle auf Video, wohl aber in seinem Herzen, verewigen konnte. Und schon gar nicht alle verbal in einem Internettagebuch verarbeiten konnte.

Aus diesem Grund möchte ich mir die Freiheit erlauben in einem persönlichen Eintrag noch einmal den ersten Tag, zumindest eine Szene aus diesem Tag, Revue passieren zu lassen:

Nachdem wir am Flughafen herzlichst empfangen, den Bus zu unserer neuen Wohnungsstätte genommen und alle erforderlichen Dokumente unterschrieben und bezahlt hatten, nachdem wir gespeist, getrunken und die ersten Arbeitskreiskollegen kennenlernen durften, hatten sich einige Koreaner etwas ganz besonderes für uns ausgedacht:

Selbstverständlich ist Seoul eine Stadt der Superlative und selbstverständlich werden da nicht einfach nur Luftschlagen zum Willkommen auf gehangen….


Post skriptischer Nachtrag:

In diesem Eintrag wurden einige Trugschlüsse eingearbeitet. Dieser Eintrag ist deshalb mit einer nötigen selbstkritischen Distanz zu betrachten. Doch neben oder zwischen den einigen wenigen künstlerischen Freiheiten, findet sich das pochende Herz der Wahrheit und damit die wundervolle Erinnerung an ein einzigartiges Erlebnis…

Sonntag, 12. Oktober 2008

Unter dem Meer

Der regelmäßig stattfindende Austausch innerhalb der „International Research Training Group“ (kurz IRTG) fand dieses Jahr in Busan (Südkorea) statt. Und alle Mitglieder waren geladen. Professoren und Doktoranden der beteiligten Universitäten kamen zusammen um den gemeinsamen Fortschritt zu besprechen und natürlich zu präsentieren. Und mittendrin ich. Eigentlich hatte ich dort nichts zu suchen. Weder bin ich IRTG Mitglied, noch ein berühmter anerkannter Professor, den es einzuladen galt. Und doch durfte ich dabei sein. Denn Professor Char, dessen Labor ich im Rahmen meines Auslandaufenthalts besuchen darf, gab mir die Möglichkeit, mein erstes internationales Meeting kennenzulernen. Und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Denn es war großartig und eine Erfahrung, die ich in naher Zukunft sicher öfter erleben werde, dann aber als aktives Mitglied.

Busan ist eine großartige Stadt, zumindest das was ich von Busan kennenlernen durfte und dieser Bereich ist sicherlich nicht sonderlich repräsentativ, da es sich um die Haeundae Beach handelte, den beliebtesten und „teuersten“ Strand, wohlmöglich in ganz Korea.

Sofort ist der Fischerei Charakter zu erkennen, da überall kleine und große Sashimi Restaurants auszumachen sind, in denen wir mehrmals ausgiebig und köstlich gespeist haben. Sicherlich sind uns Europäern die kulinarischen Aromen und Mannigfaltigkeiten deren Ursprung im Meer zu finden sind, eher unbekannt, aber anscheinend kann man alles Essen, was das Meer zu bieten hat. Und selbst giftigen Fischen wir in Asien kein Pardon gewährt. An dieser Stelle sei einfach auf Fugo verwiesen.

Da ich beim Essen neben einem Koreaner saß, durfte ich die Köstlichkeiten mit ihm zusammen probieren. Leider kann ich mich nicht mehr an die Namen der Gerichte erinnern, aber dazu zählte eine Art Wurm, der auch noch lebte. Als ich meine Chopsticks ansetzte, um das längliche Etwas zu fassen, schien der Wurm zu spüren, dass es ihm an den Kragen gehen würde und artikulierte seinen nachvollziehbaren Unmut stumm, durch leichte rhythmische Bewegungen.

Ab diesem Moment konnte ich leider keine gesunde Objektivität mehr walten lassen. Wie der Wurm da vor meinem Mund so zappelte, habe ich mir ganz subjektive Gedanken bzgl. des in wenigen Sekunden folgenden aromatischen Genusses machen müssen, die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte. Nichtsdestotrotz, ein gezielter und kräftiger (dieses Wort sei an dieser Stelle betont) Biss, brachte den Wurm kurzum zum erliegen. Ansonsten war der Geschmack eher fad.

Diesem kulinarischen Erlebnis folgte eine Art Seeschnecke, die man zu allererst aus ihrem Haus zerren musste: hierzu bedient man sich eines einfachen Zahnstochers. Ein kleiner Stoß in die Öffnung des Hauses und ein leichtes, aber bestimmendes Ziehen, in kreisenden Bewegungen brachte den verzehrbaren Teil ans Tageslicht…lecker!

Darüberhinaus bestach Busan über diesen traumhaften Strand, der quasi menschenleer im spätsommerlichen Schein seinen ganz persönlichen Scharm versprühte.

Busan ist allemal eine Reise wert und selbstverständlich gibt es auch andere Speisen, fern jeder aus dem Meer stammenden Fauna.




Sonntag, 5. Oktober 2008

Alles eine Sache der Interpretation

Bereits in der ersten Fahrstunde wurde mir folgendes mit Nachdruck einzuprägen versucht: Es ist stets vorausschauend zu fahren.

Das Verständnis der Wortaneinanderreihungen aber, scheint flexibel und lässt mehrere Interpretationen zu. Denn im direkten Vergleich der deutschen mit der koreanischen Fahrkultur, sind ostentative Antagonismen eruierbar, wie folgendes Beispiel zu illustrieren versucht:

Großstädte stellen immer eine besondere Herausforderung an die persönlichen Fahrkünste da. Hohes Verkehrsaufkommen, Einbahnstraßen, Baustellen und unzählige Seitenstraßen, führen zu Stressattacken und Ehestreit.

Aus diesem Grund sind die Straßenbahnmarkierungen in Großstädten detailreicher. Und dies ist überall in der Welt gleich. Egal ob Berlin, New York oder Seoul, mit der weißen oder gelben Farbe wird nicht gegeizt. Riesige Pfeile auf der Straße zeigen den Weg und erweisen sich als helfende Hand im wilden Dschungel des Großstadtverkehrs. So zumindest die Theorie.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wie angedeutet, scheint es eine kulturell bedingte Diskrepanz im vorausschauenden Fahren zu geben. In Deutschland findet Vorausschauen vier Meter vor der Kreuzung statt. Die letzten Wahlgänge bzgl. der Wegrichtung innerhalb der Fahrgemeinschaft werden evaluiert und sich schließlich verkehrstechnisch einzuordnen versucht.

In Korea ist die Einordnung weniger stressig, da sie quasi über eine große Distanz zu erwachsen scheint. Zumindest lässt das folgende Video keine anderen Schlüsse zu…