„You can also take this bus…! “ Auf einmal ging alles ganz schnell. Der Bus kam, hielt an und die Tür öffnete sich. Viele hundert Menschen fielen in die sich öffnende Tür ein…na gut es waren nur zwei…ich blickte kurz zurück und warf meiner Begleitung ein „Bye“ und „see you tommorow“ zu und schon schloss sich die Tür, während ich noch versuchte mit meiner T-Money Card (Busticket) den Scanner zum Piepen zu bringen. PIEP! Mit einem hämischen Lachen auf dem Gesicht des Busfahrers, legte er gekonnt den zweiten Gang ein und knatterte los, während ich an meinen Stehplatz stolperte.
Aus dem Fenster nickte ich Song-ah - in der vorbeifahrenden Welt - noch einmal zu und plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Irgendwie ein tolles Gefühl. Das erste Mal in einem fremden Land, in einer fremden Kultur, alleine Bus fahren. Ein majestätisches Gefühl, dass etwa 400 Meter anhielten.
Danach bog der Busfahrer, samt uns, in eine andere Straße ab und verließ den damit mir bekannt Weg. Immerhin schien die Großrichtung zu stimmen. Also blieb ich gelassen. 2 Minuten, 5 Minuten, 15 Minuten. Nichts, absolut nichts kam mir bekannt vor. Kein Geschäft, kein Restaurant, nicht mal die Busnummern waren mir vertraut. Also entscheid ich mich für das Beste, was man in dieser Situation hätte tun können: einfach mal abwarten.
Mit jeder Sekunde, so erschien es mir, wurden die Straßen breiter und der Tag dunkler. Und so überdachte ich meinen vorhin gefassten Plan und verließ den Bus.
Erneut öffnete und schloss sich die Bustür und erneut fuhr der Bus von dannen, doch diesmal ohne mich.
Ich blickte nach rechts, blickte nach links, doch nichts kam mir bekannt vor. Also fragte ich eine Frau an der Bushaltestelle: „Can you speak English?“
Stille!
Manchmal sagt ein Blick mehr als tausend Worte. Also fuhr ich in Englisch fort: „I want to go to Nok-Du, which bus I have to take?“
Immerhin kam Ihr das Wort Nok-Du (weil koreanisch) vertraut vor und so antwortete sie sofort mit einem aussagekräftigen Schulterzucken.
Als ich dann aber in meinem gebrochenen Koreanisch „사울 대학요“ einwarf, ging auf einmal alles ganz schnell: ein Bus kam, hielt an und die Tür öffnete sich. Die Frau drängte mich in diesen Bus einzusteigen, was ich bereitwillig tat. Die Tür schloss sich, ich blickte kurz zurück und die Frau warf mir eine Zwei mit den Fingern hinterher. Einem Déjà-vu gleich, legte der Busfahrer mit einem hämischen Grinsen gekonnt den zweiten Gang ein und knatterte los.
Es ging zwar irgendwie zurück, aber mich beschäftigte diese Zwei. Was wollte mir die Frau damit sagen und überhaupt: in welchem Bus befand ich mich überhaupt? Durch die Erfahrung an Weisheit gereift, entschied ich spontan an einer Bushaltestelle, die mir bekannt vorkam, aussteigen. Ich tat gut daran, denn es fand sich eine Subway Station, an der die U-Bahn 2 (!!) verkehrte, direkt neben der Haltestelle. Dies war meine Rettung!
So konnte ich an den Ausgangspunkt meiner Odyssee fahren, einen mir bekannten Bus nehmen und gelangte nach zwei Stunden an den Ort, den ich mein zu Hause nennen darf…
3 Kommentare:
Ei, das klingt ja richtig uffregend, Philipp!
Gruß
Martin
An der Uni sagt man (oder bekommt man gesagt), dass man die Dinge immer fürs Leben lernt.
Nun muss ich feststellen, dass wir die Vorlesung "Wie fahre ich richtig Bus" in den Studienplan mit aufnehmen müssen...... ;-)
Gruß,
P.T.
Mein lieber Ppp
bin erfreut Deine Odysse im Dschungel der öffentlichen Verkehrsmittel von Seoul so detailliert geschildert zu bekommen. Das Geschehen lief wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab.
Gruß Deine
LTK
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