Dienstag, 12. August 2008

Liebe geht durch den Magen

Also, wenn dieser Spruch stimmt, und viele Dichter und Denker, Arbeitslose und Workaholics haben sich bereits dieser Redewendung bedient, müssen die Koreaner ihr Land wirklich sehr lieben. An fast jeder Ecke, ach was schreib ich, fast jeder Laden ist ein Restaurant, oder besser formuliert: fast jedes Haus bietet die Möglichkeit gegen eines der sieben Todsünden, der Völlerei, zu verstoßen. Essen scheint hier sehr groß geschrieben zu werden. Nicht umsonst findet sich eine unfassbare Mannigfaltigkeit an Essensvariationen. Das Essen besteht nicht nur aus Reis und Glasnudeln, sondern bietet so viele Köstlichkeiten, dass man sich nicht satt sehen, aber sehr wohl satt essen kann.

Dabei ist das Essen überhaupt nicht fettig. Im Gegenteil, mich dünkt, dass Essen scheint recht gesund. Die Natur bietet dem Menschen – und Tieren natürlich auch – eine hiesige Auswahl an Labsal. Diese Gaumenreize scheinen sich hier in Korea zu vereinigen.

Sicherlich erscheint die fernasiatische Esskultur dem konservativen Europäer befremdlich, manchmal geradezu obszön, doch mit ein bisschen Offenheit und Toleranz, kann ein kulinarisches Feuerwerk genossen werden.

Aber was soll der Tourist, oder Ausländer essen. Die Namen der Kreationen erscheinen manchmal ebenso fremd, wie die Anmut des Gerichts selbst. Und da man nicht irgendetwas bestellen möchte (es muss ja nicht gleich am ersten Tag Qualle sein), haben sich die Koreaner etwas ganz besonderes einfallen lassen:

Sie haben alle auf der Speisekarte befindlichen Gerichte, entweder mittels Foto visuell in der Speisekarte verewigt, oder – und jetzt Obacht – mit einer plastikartigen, harten, aber formbaren Masse nachempfunden. Im Schaufenster, wenn diese Formulierung einem Restaurant angemessen ist, ist also nicht, wie bei uns, der Gast zu betrachten, sondern die Speise in seinem vollen unechten Antlitz zu bewundern. Einfach toll!

Natürlich hat alles Positive auch seine Schattenseiten. Auch hier:

Da die Koreaner typischerweise auf eine frische Zubereitung wertlegen, kann man den Fisch, die Krabben und den Oktopus auch aus dem Aquarium heraus bestellen. Wenn es der ehrenwerte Gast (und der ist bekanntlich König) wünscht, wird die erwählte Meeresfrucht (auch Seedarm) vor den Augen exekutiert. Soweit nicht sonderlich schlimm…da am Tag aber mehr Kostgänger im Restaurant zu speisen pflegen, als im Aquarium Platz wäre, werden die Tiere einfach übereinander gestapelt. Die Krabben können sich nicht mehr bewegen, werden quasi von ihren Artgenossen zerdrückt. Auch das ist Korea!

Aber genug der mahnenden Worte, denn so unterschiedlich die Esskultur ist, desto interessanter ist sie auch. Wie ich schon schrieb, Essen in Korea ist eine Passion…


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ein Blog der ganz besonderen Art.
Geschrieben von einem jungen Menschen, der es versteht die prickelnden und aufregenden Momente eines Abenteuers in Südkorea in leichte, doch spannende Lesekunst zu packen. Regelrecht "mitreisend" gefällt die Sprachwahl und der Leser sitzt für Tage gespannt vor dem Rechner - wartend auf die nächste Folge!
Weiter so......
Gruß, PT